Vereinsreise vom 15. bis 24. September 2025 | Stand: Dezember 2025
Mallorca. Für die meisten Menschen ist die Antwort auf dieses Wort klar: Sonne, Strand, Sangria. Die beliebteste Ferieninsel der Deutschen. Überfüllt im Sommer, ausgestorben im Winter. Das war auch der erste Eindruck des Vereins.
Aber was, wenn man nicht zwei Wochen Urlaub plant, sondern ernsthaft überlegt dort zu leben? Als Familie, mit Kind, mit dem Wunsch nach einem selbstbestimmten, ortsunabhängigen Leben? Dann stellen sich ganz andere Fragen. Und genau diese Fragen haben den Verein nach Mallorca geführt.
Der Verein war auf der Insel nicht als Tourist, sondern mit Notizbuch, offenen Augen und dem Willen hinter die Kulissen zu schauen.
Schon bei der Ankunft wird klar: Mallorca ist vielschichtiger als sein Ruf. Ja, es gibt die vollgeparkten Strandpromenaden und die Ballermann-Atmosphäre die man kennt. Aber daneben gibt es alte Altstadtgassen in Palma die einem den Atem verschlagen. Kleine Dörfer im Landesinneren die sich anfühlen als würde die Zeit dort ein anderes Tempo haben. Märkte, Kaffeebars, Familien die draußen sitzen als wäre es das Normalste der Welt.
Der erste Eindruck war zwiegespalten, und das war gut so. Denn er hat daran erinnert, dass man eine Insel nicht auf ein Klischee reduzieren kann.
Einer der wichtigsten Momente der Reise war ein langes Abendessen mit einer deutschen Familie, die seit drei Jahren mit ihrem Grundschulkind auf Mallorca lebt. Der Verein hat sich mit ihnen in einem Restaurant in Palma getroffen, und aus dem geplanten einstündigen Gespräch wurden vier Stunden.
Was diese Familie erzählt hat, war ehrlich, ungeschönt und unglaublich wertvoll. Kein Instagram-Auftritt, keine Hochglanzvision vom Auswandererleben. Sondern echter Alltag.
Beide Elternteile arbeiten vollständig ortsunabhängig und digital. Network Marketing, Affiliate Marketing, Online-Coaching. Alles Modelle die keine physische Anwesenheit erfordern. Das ist ihr Fundament, und ohne dieses Fundament, so haben sie es klar gesagt, wäre ihr Leben auf Mallorca nicht möglich.
Der Alltag ist strukturiert. Arbeit am Vormittag, Familienzeit am Nachmittag. Das klingt simpel, ist aber laut ihrer Aussage eine der wichtigsten Entscheidungen die sie getroffen haben. Ohne klare Struktur verschwimmt alles, besonders wenn man von zuhause arbeitet und gleichzeitig ein Kind hat.
Die Bürokratie. Das war das Thema das immer wieder auftauchte. Die NIE-Nummer beantragen, die Aufenthaltsgenehmigung regeln, das spanische Steuersystem verstehen, die Sozialversicherung klären. All das ist machbar, aber es kostet Zeit, Nerven und im besten Fall einen guten lokalen Steuerberater.
Dazu kommt die Sprache. Spanisch lernen ist keine Option, sondern Notwendigkeit. Wer sich auf Englisch oder Deutsch durchschlagen will, kommt im Alltag an Grenzen. Die Insel ist international, aber das Leben der Einheimischen findet auf Spanisch und Katalanisch statt.
Das Klima. Die Offenheit. Die Lebensqualität. Die Familie hat erzählt, dass sich ihr Alltag fundamental verändert hat. Mehr Zeit draußen, mehr Bewegung, mehr echte Begegnungen. Weniger Stress, weniger das Gefühl permanent funktionieren zu müssen. Ob das an Mallorca liegt oder daran, dass sie ihr Leben insgesamt umgebaut haben, konnten sie selbst nicht ganz trennen. Wahrscheinlich beides.
Stand September 2025 gilt in Spanien Schulpflicht von 6 bis 16 Jahren. Vorschule ist ab 3 Jahren möglich und wird von fast allen Familien genutzt. Öffentliche Schulen sind kostenfrei, der Unterricht findet auf Spanisch und Katalanisch statt. Letzteres überrascht viele neu angekommene Familien, ist aber auf den Balearen fest im Schulalltag verankert.
Zur Frage Homeschooling: Die Rechtslage in Spanien ist hier eine Grauzone. Es gibt kein explizites nationales Gesetz das Homeschooling verbietet, aber auch keines das es klar erlaubt. In der Praxis wird es in manchen Regionen stillschweigend toleriert, in anderen nicht. Wer diesen Weg ernsthaft in Betracht zieht, sollte sich vorab rechtlich beraten lassen und sich bewusst sein, dass Kinder offiziell in einer anerkannten Einrichtung eingeschrieben sein müssen.
Mallorca bietet insgesamt rund 22 internationale Schulen und Bildungseinrichtungen. Das Angebot ist damit deutlich breiter als viele erwarten, konzentriert sich aber stark auf den Raum Palma und den Südwesten der Insel. Im Norden, also in Regionen wie Alcúdia, Pollença oder Sa Pobla, ist die Auswahl spürbar begrenzter.
Grundsätzlich gibt es vier Wege für deutschsprachige Familien:
Kostenlos, gut erreichbar, und nach Aussage von Familien die bereits dort leben oft besser als ihr Ruf. Kinder integrieren sich, besonders im Grundschulalter, erstaunlich schnell in das System und in die Sprache. Die Unterrichtssprachen sind Spanisch und Katalanisch. Für Familien die langfristig auf Mallorca bleiben wollen und Integration als Ziel sehen, ist das eine absolut valide Option.
Die einzige staatlich anerkannte deutsche Schule auf Mallorca. Von der Grundschule bis zum Abitur mit anerkannten deutschen Abschlüssen. Unterrichtssprache hauptsächlich Deutsch, dazu Spanisch, Katalanisch und Englisch, ab Klasse 7 auch Französisch. Kosten: zwischen 640 und 872 Euro pro Monat plus einmalige Anmeldegebühr von 550 Euro. Die Nachfrage ist hoch, Wartelisten sind möglich, also frühzeitig anmelden.
Hier ist das Angebot auf Mallorca wirklich vielfältig. Neben der Montessori School of Mallorca in Santa Maria del Camí gibt es unter anderem das Queen's College in Palma, die Agora Portals International School in Calvià, die Mallorca International School im Norden der Insel sowie weitere Einrichtungen mit britischem, amerikanischem oder IB-Lehrplan. Unterrichtssprache ist in den meisten Fällen Englisch, viele Schulen bieten zusätzlich Deutsch, Spanisch und weitere Sprachen an. Die Kosten liegen je nach Einrichtung zwischen 4.500 und 12.500 Euro pro Jahr, dazu kommen Transport, Uniform und außerschulische Aktivitäten.
Englischsprachig, international ausgerichtet, mit dem Montessori-Prinzip als pädagogischer Grundlage. Für Kinder zwischen 3 und 16 Jahren, dazu Spanisch, Katalanisch und Deutsch als weitere Sprachen. Kosten zwischen 7.800 und 12.500 Euro im Jahr plus Einschreibegebühr. Kein deutsches Abitur, dafür individuelle Betreuung und ein Bildungsverständnis das stark auf Selbstständigkeit und eigenem Lerntempo setzt.
Das hängt von zwei Grundfragen ab. Erstens: Wie lange plant ihr auf Mallorca zu bleiben, und wollt ihr eine Rückkehroption nach Deutschland offenhalten? Dann ist der Eurocampus die sicherste Wahl. Zweitens: Seht ihr Mehrsprachigkeit und internationale Ausrichtung als Ziel für eure Kinder? Dann sind die internationalen Schulen interessant, und davon gibt es genug Auswahl um das richtige zu finden. Wer mit dem Gedanken spielt seine Kinder in die staatliche spanische Schule zu schicken, sollte das nicht von vornherein ausschließen. Besonders jüngere Kinder kommen damit oft besser zurecht als erwartet.
Der Verein hat sich gezielt die Frage gestellt: Wo auf Mallorca würde man als Familie eigentlich leben wollen? Dafür wurden Palma und Alcúdia unter die Lupe genommen, zwei Orte die unterschiedlicher kaum sein könnten.
Palma ist eine echte Stadt. Infrastruktur, Schulen, Ärzte, öffentlicher Nahverkehr, Kulturangebot. Wer aus einer deutschen Großstadt kommt und nicht auf Stadtleben verzichten will, ist in Palma gut aufgehoben.
Der Preis dafür sind die Mietkosten. Palma ist teuer, und es wird teurer. Der Tourismusboom treibt die Preise, und Familien ohne sehr gutes Einkommen haben es schwer zentral zu wohnen. Die einheimischen Ladenbesitzer mit denen der Verein gesprochen hat, sehen das mit gemischten Gefühlen. Der Tourismus bringt Einkommen, verändert aber gleichzeitig die Stadt und treibt Mieten hoch.
Alcúdia ist ein anderes Mallorca. Historisch, ruhig, mit einer alten Stadtmauer die man spazieren kann und einem Hafen der im Sommer lebt und im Winter deutlich ruhiger wird. Das Leben dort ist stark vom Tourismus abhängig, im Sommer läuft alles, im Winter schrumpft das Angebot. Für Familien die remote arbeiten und nicht auf lokale Infrastruktur angewiesen sind, kann das gut funktionieren. Was Alcúdia hat, ist Ruhe, Tradition und ein Lebensrhythmus der sich spürbar anders anfühlt als in Palma.
Stell dir folgende Fragen bevor du Mallorca als Auswanderungsziel ernsthaft in Betracht ziehst:
Hast du ein stabiles digitales Einkommensmodell das unabhängig vom Wohnort funktioniert? Bist du bereit Spanisch zu lernen und dich bürokratisch auf ein neues System einzulassen? Hast du einen klaren Bildungsplan für deine Kinder, entweder in Richtung deutsches Abitur oder bewusst internationaler Ausrichtung?
Wenn du alle drei Fragen mit Ja beantworten kannst, ist Mallorca ein realistisches und sehr lebenswertes Ziel. Die Insel bietet echte Lebensqualität, ein mildes Klima, eine offene Atmosphäre und zwei sehr unterschiedliche aber beide ernsthafte Schuloptionen.
Wenn das Einkommensmodell noch nicht steht oder die Sprachbereitschaft fehlt, sollte man Mallorca erst dann angehen wenn diese Grundlagen gesichert sind. Die Insel verzeiht schlechte Vorbereitung nicht besonders gut, belohnt aber alle die mit klarem Kopf ankommen.