Vereinsreise | Stand: Januar 2026

Warum Fuerteventura?

Fuerteventura steht für endlose Strände, Wind und Sonne. Für viele ist es ein Surf- und Urlaubsziel, für andere schon längst mehr als das. Die Insel hat sich in den letzten Jahren zu einem echten Anlaufpunkt für Auswanderer entwickelt, besonders für junge Familien die ein entspannteres Leben suchen. Aber was steckt wirklich dahinter?

Im Januar 2026 bin ich mit meinem Kind eine Woche auf die Insel geflogen, um genau das herauszufinden. Nicht als Touristin, sondern mit konkreten Fragen: Wie lebt es sich dort wirklich als Familie? Was kostet Wohnen? Wie sieht das Schulsystem aus? Und was sagen Menschen die den Schritt bereits gewagt haben?

Wir haben uns drei sehr unterschiedliche Orte angeschaut: Lajares, Corralejo und El Cotillo. Und wir haben mit Menschen gesprochen die dort leben, arbeiten und Kinder großziehen.

Drei Orte, drei Charaktere

Lajares

Unser Basecamp für die Woche. Ein kleines Dorf im Norden der Insel, ruhig, überschaubar, mit einem wöchentlichen Markt der das Herz des Ortes ist. Lajares ist kein Touristenort im klassischen Sinne, eher ein Rückzugsort für Menschen die bewusst Abstand vom Massentourismus suchen. Surfer, Kreative, Auswanderer. Die Atmosphäre ist entspannt, fast dörflich.

Corralejo

Der lebendigste Ort im Norden. Infrastruktur, Restaurants, Supermärkte, ein Hafen. Wer nicht komplett auf Komfort verzichten will, ist in Corralejo gut aufgehoben. Gleichzeitig ist der Tourismusanteil spürbar, besonders in der Hauptsaison. Die Stadt wächst und verändert sich schnell, was Chancen aber auch steigende Preise bedeutet.

El Cotillo

Unser Liebling der Woche. Ein kleines Fischerdorf an der Westküste, mit türkisfarbenen Lagunen und einer Ruhe die sich fast unwirklich anfühlt. El Cotillo ist kleiner und ursprünglicher als Corralejo, aber mit einer wachsenden Community aus Auswanderern und Langzeiturlaubern. Infrastruktur ist begrenzt, dafür ist die Lebensqualität in Sachen Natur und Entschleunigung kaum zu übertreffen.

Was uns Menschen vor Ort mitgegeben haben

Unsere Gastgeberin: drei Jahre auf Fuerteventura, mit Kind

Das wertvollste Gespräch der Woche war das mit unserer Gastgeberin, einer deutschen Auswanderin die seit mehreren Jahren mit ihrem Schulkind auf Fuerteventura lebt. Sie hat uns ungeschönt erzählt wie der Alltag wirklich aussieht.

Das Positive: Die Insel bietet eine Lebensqualität die in Deutschland schwer zu finden ist. Draußen sein, Natur, Gemeinschaft, ein entspannterer Takt. Ihr Kind ist gut integriert, hat Freunde gefunden und spricht mittlerweile Spanisch.

Das Schwierige: Die Bürokratie. Behördenwege auf einer spanischen Insel sind zeitaufwendig und ohne Sprachkenntnisse kaum zu bewältigen. Dazu kommen steigende Mietpreise die sie persönlich dazu gebracht haben, perspektivisch über einen Wegzug nachzudenken. Als mögliche Alternative nennt sie Andalusien.

Ihr ehrlichster Satz sinngemäß: Fuerteventura ist wunderschön, aber es ist kein Selbstläufer. Man muss wirklich wollen und vorbereitet sein.

Eine einheimische Familie in El Cotillo

Im Restaurant Nana in El Cotillo haben wir uns mit einer einheimischen Familie unterhalten. Was sie beschrieben haben, war ein Leben das sich stark verändert hat in den letzten Jahren. Der Tourismus bringt Einkommen, aber er verändert auch den Ort. Mieten steigen, Einheimische können sich ihre eigenen Dörfer kaum noch leisten, und der Charakter mancher Ortschaften wandelt sich schneller als den Menschen lieb ist.

Ein Restaurantbesitzer in El Cotillo hat es gut auf den Punkt gebracht: Die Insel wächst, aber nicht immer in die Richtung die gut für die ist die schon lange hier leben.

Wohnen und Kosten: die unbequeme Wahrheit

Stand Januar 2026 ist der Mietmarkt auf Fuerteventura angespannt. Sehr angespannt. Hohe Nachfrage, begrenztes Angebot, und ein Zuzug von Auswanderern und digitalen Nomaden der die Preise weiter treibt.

Was wir vor Ort gehört haben: Mietpreise von über 1.100 Euro monatlich für normale Wohnungen sind keine Seltenheit mehr, Tendenz steigend. Wer vor fünf Jahren gekommen ist, hat deutlich günstigere Konditionen gehabt als wer heute kommt. Das ist eine Realität die man einplanen muss.

Dazu kommt: Kurzzeitvermietung über Plattformen wie Airbnb entzieht dem Langzeitmietmarkt Wohnraum. Das ist ein Problem das die Insel mit vielen beliebten Auswanderzielen teilt und das sich so schnell nicht lösen wird.

Schulen und Bildung

Stand Januar 2026 gilt auf Fuerteventura spanische Schulpflicht. Öffentliche Schulen sind kostenfrei, der Unterricht findet auf Spanisch statt. Eine deutschsprachige Schule gibt es auf der Insel nicht.

In El Cotillo gibt es die Grundschule Colegio Público Tostón. Für weiterführende Bildung bis 16 Jahre ist das IES Corralejo in Corralejo die nächste Option. Kindergarten- und Tagesbetreuungsangebote sind vorhanden, je nach Region aber begrenzt. Zusätzliche Sprachschulen wie Glaucus Languages ergänzen das Angebot, ersetzen aber keine reguläre Schulbildung.

Was das in der Praxis bedeutet: Kinder die auf Fuerteventura zur Schule gehen, lernen auf Spanisch und integrieren sich in ein spanisches Schulsystem. Das kann eine Bereicherung sein, erfordert aber Zeit, Anpassung und elterliche Begleitung. Wer auf deutsche Abschlüsse oder strukturierte Förderung angewiesen ist, wird auf der Insel nicht fündig.

Für wen ist Fuerteventura wirklich geeignet?

Das ist die Frage die wir am Ende jeder Reise stellen, und bei Fuerteventura fällt die Antwort erstaunlich konkret aus.

Gut geeignet ist die Insel für Familien mit Kindern unter sechs Jahren, also bevor die Schulpflicht zum entscheidenden Faktor wird. Für Familien mit einem soliden finanziellen Puffer die steigende Mietpreise abfedern können. Für Menschen die Auswandern nicht als lebenslange Entscheidung betrachten, sondern als bewusstes Abenteuer für zwei bis vier Jahre. Und für Eltern die bereit sind, Bildung aktiv zu begleiten und nicht allein dem System zu überlassen.

Weniger geeignet ist die Insel für Kinder ab etwa sieben oder acht Jahren mit hohem Struktur- oder Förderbedarf. Für Familien ohne finanziellen Spielraum, die auf günstige Mieten angewiesen sind. Und für alle die langfristig planen und dabei Bildungssicherheit und Wohnstabilität als nicht verhandelbare Grundlage brauchen.

Unser Fazit

Fuerteventura hat uns begeistert und gleichzeitig nachdenklich gemacht. Die Insel ist wunderschön, das Leben dort hat eine Qualität die man spürt sobald man ankommt. Der Himmel, das Meer, die Ruhe, das Tempo. Es ist ein Ort der einem zeigt wie anders Leben sein kann.

Aber Fuerteventura ist kein einfaches Auswanderungsziel mehr. Die Zeiten in denen man günstig und unkompliziert dort ankam, sind vorbei. Wer heute kommt, braucht ein stabiles Einkommen, realistische Erwartungen an den Mietmarkt und einen klaren Plan für die Bildung der Kinder.

Wer das mitbringt, kann auf Fuerteventura etwas finden das in Deutschland schwer zu greifen ist: echte Entschleunigung, Natur im Alltag und das Gefühl dass das Leben mehr ist als Arbeit und Funktionieren.

Ob das auf Dauer reicht, muss jede Familie für sich selbst entscheiden. Aber als bewusster, zeitlich begrenzter Schritt? Absolut vorstellbar.

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